Phoenix-Preis für die besten Seminarreferate im WS 2020/2021

Aufgrund der Coronapandemie war das vergangene Wintersemester nun schon das zweite digitale Semester in Folge. Die Studierenden mussten also auch ihre Seminarreferate unter veränderten Bedingungen halten. Mit der Vergabe eines Referatspreises möchten die Freunde des Phoenix e.V. dieser Situation Rechnung tragen und die gelungensten Referate würdigen!

Die Auswahl erfolgte innerhalb der jeweiligen Seminargruppe in der letzten Sitzung. Dabei oblag es den Kommilitoninnen und Kommilitonen, zu benennen, wen sie für den Preis nominieren möchten und mit welcher Begründung. Am Ende erfolgte eine Wahl, bei der Dozentin oder Dozent ebenfalls ihre Stimme abgaben.

Wir freuen uns sehr, die Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren Themen an dieser Stelle vorstellen zu dürfen und gratulieren Ihnen ganz herzlich! Mit dem Preis verbunden ist eine Büchergutschein einer Mainzer Buchhandlung in Höhe von 50 Euro. Die Preisvergabe erfolgt im Rahmen der digitalen Semestereröffnung am 20.4.2021, 18 Uhr.

 

Seminar: Kunst-Landschaften: Landschaftsdarstellungen und Landschaftsallegorien in der Kunst des 14.-16. Jahrhunderts (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller)

Preisträgerin: Nicole Schkondin (Master Kunstgeschichte, Kommunikations- und Medienforschung, 4. Semester)

Referatsthema: Die Landschaft als humanistisches Sinnbild: Giorgiones „Tempestà“ (1508, Venedig, Accademia)

Begründung: Der Referentin ist es gelungen, eine der komplexesten humanistisch verschlüsselten Landschaftsallegorien der Kunstgeschichte anhand der Forschungsliteratur systematisch zu analysieren und dabei in kritischer Auseinandersetzung mit den divergierenden Forschungspositionen unterschiedliche Interpretationsansätze gegeneinander abzuwägen. Dies geschah in einer sprachlich anspruchsvollen und zugleich anschaulichen Form, die durch eine sehr instruktive Powerpointpräsentation ergänzt wurde.

 

Seminar: Reale Giganten – Monumentalfiguren in Kontext und Funktion (Leitung: PD Dr. Claudia Meier)

Preisträger: Paul Ellger (Kunstgeschichte und Politikwissenschaft, 4. Semester)
 
Referatsthema: Das Niederwald-Denkmal / Die Germania in Rüdesheim am Rhein (1877–83)

Begründung: Die der augenblicklichen Situation geschuldete Material- und Literaturknappheit hat Herr Ellger durch direkte Arbeit am Original bestens kompensiert. Die Herstellung eigenen Bildmaterials für eine umfangreiche PPP zuzüglich eines  sehr präzisen Hand-outs und der griffige persönliche Umgang mit dem Objekt dürfte den Teilnehmern/innen  des Seminars Impuls genug gewesen sein, sich auch den Denkmälern der Region zuzuwenden.

 

 

 

 

Seminar: Die Frau als Künstlerin – Malerinnen in der Frühen Neuzeit (Leitung: Sabine Scherzinger)

Preisträgerin: Wiebke Pannes (Master Kunst und Französisch auf Lehramt, 2. Semester)
 
Referatsthema: Die Entdeckung des Aktes. Lavinia Fontana und Giulia Lama

Begründung: Das anschauliche und klar strukturierte Referat hat den Teilnehmern*innen des Seminars anhand ausgewählter Bildbeispiele aus dem Oeuvre von Lavinia Fontana (1552-1614) und Giulia Lama (1681-1747) einen fundierten Einblick in die Aktdarstellung in der Frühen Neuzeit insgesamt und die Auseinandersetzungen von Künstlerinnen mit dem männlichen und weiblichen Akt im Speziellen gegeben. Besonders hervorzuheben ist dabei die lebendige Vortragsweise der Referentin, die bereits zu Beginn Ihrer Ausführungen mit der Aufforderung an Ihre Kommilitonen, sich selbst einmal kurz an einer Aktzeichnung zu versuchen, deren Aufmerksamkeit erregen konnte.

 

Seminar: David d’Angers und die französische Skulptur des 19. Jahrhunderts (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Gregor Wedekind)

Preisträgerin: Maria Katharina Vogt (Doppelmaster Kunstgeschichte und Germanistik, 3. Semester)
 
Referatsthema: Das Verhältnis von Literatur und Skulptur am Beispiel von Pierre-Jules Caveliers Pénélope von 1849

Begründung: Ihr Referat zeichnet sich dadurch aus, dass sie von Beginn an Ihre Ausführungen mit Fragen an die Seminargruppe verknüpfte.  Diese interaktive Referatsform involvierte die Teilnehmer schon vor der Schlußdiskussion in das Thema und wurde von allen Anwesenden als sehr gelungen empfunden.

 

 

 

 

Seminar: Prachtentfaltung – Kunstförderung – Reflexionsraum: Die Künstler der Medici (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Oy-Marra)

Preisträgerinnen: Janina Hanisch (Master Kunstgeschichte, 1. Semester) und Emma Sammet (Kunstgeschichte und Publizistik, 6. Semester)
 
Referatsthemen:
Kunstförderung unter Lorenzo del Prächtigen de’Medici und Botticellis Primavera (Hanisch)
Cosimo de‘ Medici als Kunstförderer: Die alte Sakristei von San Lorenzo und sein Grabmal (Sammet)

Begründung: Die Referate von Frau Hanisch und Frau Sammet sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars aufgrund ihrer besonders lebendigen Vortragsweise und sehr anschaulichen Präsentation für den Preis ausgewählt worden. Sie werden sich den Preis teilen. Frau Hanisch ist es gelungen in umfassender Weise die neuesten Erkenntnisse über Auftraggeber und Kontext des berühmten Gemälde Botticellis darzustellen und zu zeigen dass die Braut durch das für die bestimmte Bild in das Reich ihrer angeheirateten Familie eingeführt wurde. Frau Sammet konnte uns die alte Sakristei von Filippo Brunelleschi in San Lorenzo in einem sehr guten Überblick darstellen und zusammen mit dem Grabmal von Donatello die besonderen Aspekte der Kunstförderung Cosimo des Alten de‘ Medici herauszuarbeiten, bei der die Wahl der fortschrittlichen Künstler eine große Rolle spielten.

 

Seminar: Video – Kunst (Leitung: Clara Wörsdörfer)

Preisträger: Lisa Beikirch (Bachelor Filmwissenschaft und Kunstgeschichte, 6. Semester) und Philipp Kötz (Bachelor Musikwissenschaft und Kunstgeschichte, 6. Semester)
 
Referatsthemen:
Britta Thie, Translantics (Beikirch)
Christian Marclay, The Clock (Kötz)

Begründung: Frau Beikirch und Herr Kötz werden sich den Preis teilen. Von den Kommilitonen wurde insbesondere hervorgehoben, dass beide die Seminardiskussionen über das gesamte Semester mit klugen Wortbeiträgen bereichert und außerdem das für dieses Seminar geforderte Referatsformat gut genutzt haben: Sie haben ihre Referate vor der Sitzung als Präsentationen mit Tonspur eingereicht. In beiden Fällen wurde der Referatstext so klar, angenehm und lebhaft einsprochen, dass es eine Freude war, den Referenten zuzuhören. Mit ihrem Referat zur Web-Serie „Translantics“ der Künstlerin Britta Thie ist es Frau Beikirch gelungen, die Seminarteilnehmer mit einem recht aktuellen Werk in unkonventionellem Format vertraut zu machen, zu dem es überdies bislang kaum Forschungsliteratur gibt. Mit gutem Gespür und eigenem Interesse formulierte sie Gedanken dazu, inwiefern die Arbeit von Thie das Porträt einer Generation zeichnet, die mit dem Gebrauch verschiedener Medien der Kommunikation, Vernetzung und Selbstdarstellung aufgewachsen ist. Herr Kötz hat sich in seinem Referat der Arbeit „The Clock“ von Christian Marclay gewidmet, ergänzt um einen überaus präzisen und produktiven Vergleich zu Douglas Gordons „24h Psycho“. Dabei ist es ihm gelungen, mit der auf den ersten Blick wie der simple Trick eines Film-Nerds anmutenden Arbeit von Marclay erstaunlich interessante Fragen zur Zeitwahrnehmung und Filmkultur (im Kontext zeitgenössischer Kunst) aufzuwerfen. Beide Referate haben sehr anregende Diskussionen in den jeweiligen Seminarsitzungen stimuliert.

 

Seminar: Kunst – Landschaft – Umwelt (Leitung: Dr. Christian Berger / Dr. Sascha Winter)

Preisträgerin: Rachel Etse (Ethnologie und Kunstgeschichte, 5. Semester)
 
Referatsthema: Joseph Beuys, 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung

Begründung: Ein besonders aspektreiches, engagiert vorgetragenes Referat mit äußerst gelungener, anschaulicher Präsentation. Frau Etse hat den überaus umfangreichen und komplexen Gegenstand hervorragend erfasst und Beuys‘ 7000 Eichen auch in ihrer Genese und hinsichtlich der zeitgenössischen Kontroversen um das Projekt präsentiert. Mit eigenen Fragen und Ideen ist es ihr gelungen, eine besonders lebendige Diskussion anzuregen, die über das eigentlich Referatsthema hinausreichend fundamentale Fragen nach Kunst im öffentlichen Raum und nach ökologischen Anliegen künstlerischer Projekte vor dem Hintergrund der Klimakrise berührten.

 

Seminar: UNESCO-Welterbe – Einführung in die Architektur (Leitung: Dr. Klaus Weber)

Preisträgerin: Anna-Maria Dries (Kunstgeschichte und Filmwissenschaft, 3. Semester)
 
Referatsthema: Schloss von Versailles

Begründung: Mit Anna-Maria Dries hat das Seminar eine Studentin für den Preis nominiert, die sich im Seminar überdurchschnittlich engagierte und beteiligte. Gäb es mehr Studierende wie Frau Dries, wären die Online-Seminare ein Vergnügen, bei der eine dynamische und gewinnbringende Fachdiskussion in der Gruppe geführt werden könnte, bei der die Leitung nur noch eine „Lotsenfunktion“ und nicht die eines „Co-Referenten“ einnähme.
Bei Ihrem Referat zeigte Frau Dries schon in der Vorbereitung eine starke Selbständigkeit in der Handhabung des Themas. Erfreulich klar und sachkundig gelang ihr die Darstellung der äußerst komplexen Architektur mit Hilfe von geschickt ausgewählten Abbildungen und akzentuierenden, didaktischen PPP-Effekten. Auffällig war die Ruhe, die Präzision ihrer Formulierungen und der geschickt gewählte Aufbau ihres Referates. Es gelang ihr in 20 min zentrale Aspekte der Baugeschichte und der Baugestalt von Stein- und Parkarchitektur der Residenz Versailles fachgerecht zu vermitteln, um sich dann auf die Ausführung des Corps de Logis im Speziellen zu konzentrieren und konzeptionelle Aspekte bezüglich der Fassadenausführung von Marmorhof und Gartenseite zu diskutieren sowie das Exzeptionelle der Innenarchitektur der Beletage.